Das S-Bahn-Chaos wird unbeschreiblich

Aktuelle Informationen für Presse und Rundfunk 01.12.1998 (09/1998)

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Andreas Nagel, Freischützstraße 110, 81927 München, (0172) 8342157, nagel@fahrgaeste.de

Überall prangen die Plakate, auf denen sich DB Regio (???) entschuldigt und Besserung verspricht. Man wollte es schon glauben, als ein unbeschreibliches S-Bahn-Chaos uns die Realität wieder vor Augen führte. Verschlimmert wurde alles noch durch die mangelnde Koordination zwischen Bahn und Polizei.

‚Seit 16.20 Uhr fährt keine S-Bahn mehr in Allach‘ teilten die anderen Fahrgäste mit und so verfroren wie sie aussahen konnte man es glauben. Für die S-Bahn um 16.55 gab es natürlich keine Ansage über den Grund ihres Ausbleibens. Also begab man sich in den bereitstehenden Bus, um die Ansage zu hören:‘ Die S-Bahn fährt wieder‘ – und tatsächlich – der erwartete Zug fuhr ein. Also gut, einfach blöd angestellt und zu ungeduldig gewesen.

Später, etwas vor 20.00 Uhr, am Stachus läuft die übliche Ansage, daß nur die S8 verkehrt und der Rest ab Ostbahnhof oder Starnberger Flügelbahnhof. Die S8 zum Flughafen ist bereits angekündigt, als sehr eifrige Polizisten beginnen den Bahnsteig zu räumen. Allerdings keine Gefahr im Verzug, die Feuerwehr hat noch Glutnester in der Decke vermutet. Nur die Frage nach dem Namen des Beamten und seinem Vorgesetzten gab mir soviel Zeit, daß ich die einfahrende S-Bahn noch erwischen konnte. Ein kompetenter Einsatzleiter der Bahn – oder im neuen Sprachgebrauch ‚Notfallmanager‘ war nirgends zu sehen.

Sicherlich ein Einzelschicksal. Wahrscheinlich gibt es aber unzählig viele davon. Für uns aber Anlaß nachdrücklich Verbesserungen zu fordern:

Als Sofortmaßnahme muß die Stammstrecke mit elektronischen Informationssystemen ausgestattet werden. Dazu genügt es den ‚Streckenspiegel‘, der den Aufsichtsbeamten zur Verfügung steht, auch für die Fahrgäste einsehbar zu machen. Darauf ist nämlich die Stammstrecke mit den darauf verkehrenden Zügen abgebildet. (Nicht jeder wird es verstehen – aber wir sind immer wieder über die Kompetenz der ganz normalen Fahrgäste überrascht, die sich ja auch im Tarifdschungel zurechtfinden müssen.) Diese Maßnahme kostet keine Unsummen und läßt sich schnell verwirklichen.

Die S-Bahn muß ins Internet: Die schönste Fahrplanauskunft nützt einem nichts, wenn der Fahrplan außer Tritt geraten ist. Im Internet kann man auch den Streckenspiegel abbilden oder wenigstens die grobe Übersichtsinformation geben. Dies wäre eine Aufgabe für den MVV, verkehrsmittelübergreifend.

Es muß eine kostenlose 0800-Nummer geschaltet werden, damit sich auch der Fahrgast auf Außenbahnhöfen fernmündlich über die Betriebsstörung informieren kann. Und auf jeden S-Bahnsteig gehört ein Kartentelefon, damit auch die Familie verständigt werden kann. Wir wollen nur kurz daran erinnern, daß die Telefonfirma Arcor eine Tochter der Bahn ist und auch die Bahnstrecken für ihre Leitungen nutzt.

Es muß eine vernünftige Einsatzleitung vor Ort für eine Minimierung des Störfalls sorgen. Man stelle sich nur vor, es wäre tatsächlich gefährlich am Stachus gewesen und ein vollbesetzter S-Bahnzug fährt in die Station ein.

Kurzfristig muß der S-Bahnsüdring ‚light‘, also zweigleisig, für einen Ersatzverkehr hergerichtet werden. Der angestrebte 10-Minuten-Takt würde das Elend auf einer gestörten Stammstrecke nur vergrößern.

Ein positives Element muß man aber auch einmal hervorheben. Die Kommunikation zwischen S-Bahnbetriebsleitung und Leitstelle der SWM-Verkehrsbetriebe wurde gründlich verbessert. Die Oberflächenleitstelle informierte die Fahrgäste von Trambahn und Bus direkt im Fahrzeug über den aktuellen Stand – und auch in der U-Bahn klappten die Ansagen.

Und wir wollen auch nicht die freundliche Aufsichtsbeamtin am Stachus vergessen, die kompetent und individuell Ratschläge für ein Weiterkommen gab. Was aber leider nicht alle Fahrgäste in ihrem Grant auch zu würdigen wußten. Hoffentlich ein Beispiel das Schule macht. (natürlich die freundliche Auskunft.)

Wenn jetzt einer behauptet, daß kein Geld vorhanden sei – dann kann man ihn nur an die kleine Summe von 20.000 Mark erinnern, die die Anbringung von blauen Stationsschildern, statt der weißen, auf den Bahnhöfen der S1 kostet – und die keinem Fahrgast etwas nützen – außer daß er sie bei Nacht nicht lesen kann.

Mit freundlichem Gruß
Andreas Nagel

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