100 Tage Oberlandbahn

Aktuelle Informationen für Presse und Rundfunk 06.09.1999 (13/1999)

Für Rückfragen steht Ihnen zur Verfügung:
Andreas Nagel, Freischützstraße 110, 81927 München, (0172) 8342157, nagel@fahrgaeste.de

Seit 100 Tagen fährt die Oberlandbahn (BOB) von München nach Bayrischzell, Tegernsee oder Lenggries) im 1-Stundentakt mit den Integralzügen. Also ist die Schonfrist endgültig vorbei. In diesen 100 Tagen und davor im ‚Vorlaufbetrieb‘ mit den Fahrzeugen der DB in Verantwortung der Bayrischen Oberlandbahn GmbH konnten genügend Ärgernisse verzeichnet werden. Wir haben uns den Betrieb in den letzten Tagen besonders genau angeschaut: Allgemeiner Eindruck ist eine leichte Besserung der Pünktlichkeit und der Zuverlässigkeit des Bahnsystems. Allerdings gibt es Mängel, die ganz leicht abgestellt werden könnten und es muß eine Strategie gefunden werden, die auch im Herbst zu erträglichen Zuständen führt. Jeder erinnert sich an die Probleme, die durch Herbstlaub und die winterliche Witterung im letzten Jahr im Münchner S-Bahn-Verkehr auftraten. Und es wird auch in diesem Jahr wieder Herbst und Winter geben.

Die Fahrt beginnt am Münchner Hauptbahnhof und man kann nur an zwei Schaltern (46 und 47) die Fahrkarten lösen. Der Versuch am Fahrkartenautomat (von DB Reise & Touristik) beginnt erfreulich mit vielen Abfragen und endet am Schluß leider mit dem Hinweis ‚zur Zeit nicht möglich‘. Also kein Fahrschein, was wir uns aber wünschen würden.

Am Bahnsteig wartet ein Mitarbeiter der BOB, der zwar freundlich Auskünfte gibt, aber nicht ohne weiteres zu erkennen ist. Früher kannte man eben den Mann mit der roten Mütze. Aber sonst ein guter Service.

Die Ansage am Bahnsteig weist auf die Beschilderung an den Türen der Züge hin, damit man in den richtigen Zugteil einsteigt. Leider kann man überall nur ‚München Hbf‘ lesen. Aber die Fahrgäste finden sich zum großen Teil schon zurecht. Ein großer Mangel ist allerdings das Fehlen von Tarifinformationen, denn wer soll wissen ob MVV-Fahrscheine, Wochenendtickets usw. gelten. Auch auf das System der Zugtrennung könnte an gut sichtbarer Stelle hingewiesen werden.

Die Ansage der Haltestellen im Zug ist beim Automatikbetrieb gut, die gutgemeinten Hinweise des Lokführers gehen allerdings im Fahrgeräusch unter. Bei der Rückfahrt funktioniert die automatische Haltestellenanzeige nicht, denn hinter Holzkirchen kommt gleich wieder Schliersee. Daß die Haltestellennamen nicht richtig geschrieben sind ist zwar verzeihlich aber genauso unnötig.

Die Verspätung der Züge bewegt sich zwischen 6 und 10 Minuten. Die fahrplanmäßige Wendezeit an den Endstationen ist viel zu knapp bemessen. Verspätungen können da nur schwer abgebaut werden.

Die Aussage des Pressesprechers der BOB, ‚man könne ja nicht jedem Kunden das Bahnfahren beibringen‘, disqualifiziert sich natürlich selbst. Selbstverständlich muß auch einem Neukunden erklärt werden wann das eine oder andere Ticket gilt.

Das Personal in den Zügen war im Gegensatz dazu bei der Fahrkartenkontrolle sehr freundlich und zuvorkommend. Ein dickes Lob!

Insgesamt ist der Fehlstart der BOB schade. Dazu geführt hat die vom bundesdeutschen Gesetzgeber gewollte Trennung der verschiedenen Geschäftsbereiche der ehemaligen Bundesbahn und der Wettbewerb in Europa. Der Einsatz eines völlig neu konzipierten Zuges war einfach zu mutig. Eisenbahnfahrzeuge kann man nicht von der Stange kaufen. Daß aber eine Privatbahn auch erfolgreich starten kann hat die Bodensee-Oberschwaben-Bahn zwischen Friedrichshafen und Aulendorf bewiesen. Die dortigen Stadtwerke haben ohne Erfahrung im Nahverkehr eine funktionierende Eisenbahn auf die Beine gestellt.

Das Verschwinden der traditionsreichen Tegernseebahn bedauern wir natürlich auch. Insgesamt war der Wunsch der Politik nach umsteigefreien Verbindungen und dem Stundentakt richtig. Jetzt muß alles daran gesetzt werden, daß die Fahrgäste auch den vollen Nutzen des Systems bekommen. Wir wünschen den Mitarbeitern der verschiedenen Unternehmen, die gemeinsam Eisenbahn machen, viel Erfolg, erwarten aber auch vollen Einsatz und werden künftig streng zwischen gut gemeint und gut gemacht unterscheiden.

Mit freundlichem Gruß
Andreas Nagel

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