Mehr Bus und Bahn für München

Aktuelle Informationen für Presse und Rundfunk 04.01.2000 (01/2000)

Für Rückfragen steht Ihnen zur Verfügung:
Andreas Nagel, Freischützstraße 110, 81927 München, (0172) 8342157, nagel@fahrgaeste.de

Pressekonferenz am 4. Januar 2000

Wir sehen schwierige Zeiten für den Linienverkehr in München auf uns zukommen. Durch die Liberalisierung des Strommarktes können den SWM-Verkehrsbetrieben bis zu 300 Mio. Mark fehlen, die Ökosteuer verteuert auch den Linienverkehr und dabei insbesondere die elektrischen Verkehrsmittel. Der Politik fehlt zur Zeit der Wille und das Verständnis für die Notwendigkeit, Geld für den Ausbau, aber auch für den Unterhalt von Bus und Bahn auszugeben.

S-Bahn

Der Freistaat Bayern als Aufgabenträger fällt durch seine kontinuierliche und stetige Bemühung auf, das S-Bahnnetz auszubauen. Wir erinnern uns an die Inbetriebnahme der viergleisigen Strecke nach Grafing und den dadurch möglichen 20-Minuten-Takt.

Was wir allerdings sicher nicht benötigen ist ein zweiter S-Bahntunnel. Dies hätte nicht nur verheerende Folgen für die Stadtstruktur, sondern würde auch den Fahrgästen wenig nützen, denn sofort stellt sich die Frage, welche Linie durch den ersten Tunnel und welche durch den zweiten Tunnel fahren soll. Hier sollte das Geld nicht für sinnlose Untersuchungen ausgegeben werden. Was München braucht ist wieder der Südbahnhof. Dort ist ein direktes Umsteigen in die U-Bahn am Bahnhof Poccistraße möglich. Am Südbahnhof können die Verstärkungslinien für den 10-Minutentakt enden oder teilweise über den Südring zum Ostbahnhof verlängert werden.

U-Bahn

Mit der Fertigstellung der U3 vom Olympiazentrum bis Moosach, der U1 vom Westfriedhof bis zum OEZ (Olympia-Einkaufszentrum) und der Verlängerung zum Forschungsgelände Garching ist der vernünftige U-Bahn-Bau in München abgeschlossen. Eine U-Bahn nach Pasing wird von vielen gewünscht und ist im ersten Moment auch sinnvoll, da aber Steuergeld nur einmal ausgegeben werden kann ist nur der Ausbau der S-Bahn realisierbar. Dies traut sich im Vorfeld von Stadtrats- und Oberbürgermeisterwahlen natürlich niemand zu sagen. Eine ertüchtigte S-Bahn, die auch über den Südring verkehrt, ist für die Fahrgäste wertvoller als eine Parallel-U-Bahn. Bei den letzten Fahrplanwechseln mußte immer an den Oberflächenverkehrsmitteln gespart werden, weil die U-Bahn die Kosten in die Höhe trieb.

Trambahn

Seit 1991 soll der Ausbau der Münchner Trambahn vorangetrieben werden. Leider wurde bisher nur der Abbau konsequent vorangetrieben, wenn auch die Wiederinbetriebnahme von zwei wichtigen Linien, Tram 17 und Osttangente gefeiert werden konnte. Abgebaut wurde die Tram 26 zwischen Lorettoplatz und Westendstraße Abgebaut wurde die wertvolle Umleitungsstrecke in der Karlsstraße. Abgebaut wurden die Ausweichmöglichkeiten an der Schwanseestraße und am Gondrellplatz, die für einen störungsfreien Betrieb wichtig sind. Eingestellt wurde die Tram 20 und die Tram 21 zwischen Stachus und Sendlinger Tor. Kurz vor dem Abbau steht die Strecke zum alten Messegelände, die der Stadtrat für das künftige Verkehrszentrum des Deutschen Museums erhalten wissen wollte. Bei den Neubaustrecken ist inzwischen alles gestrichen. Durch die ungeschickte Einbindung des Hausherrn des Englischen Gartens ist an die Nordtangente nicht mehr zu denken. Die Westtangente durch die Laimer Unterführung ist auf den St. Nimmerleinstag verschoben. Das Neubaugebiet an der Neusser Straße in Schwabing soll durch einen Busbetrieb erschlossen werden. Das Planfeststellungsverfahren für die Verlängerung der Tram 18 nach St. Emmeram läuft und läuft und … gebaut wurde noch kein Meter neues Gleis.

Beschleunigung

Das Beschleunigungsprogramm muß mit neuem Schwung wieder vorangetrieben werden. Die führt zu nachhaltigen Kostenreduzierungen und steigert die Attraktivität des Angebots.

Finanzierung

Durch den Wegfall der Gewinne aus der Stromerzeugung fehlen bis zu 300 Mio. Mark in der Kasse der Stadtwerke München. Deshalb unternehmen sie zur Zeit den hilflosen Versuch, durch das Ausdünnen und Einstellen von Linien die ‚Eigenwirtschaftlichkeit‘ zu erreichen. Damit soll auch die durch europäisches Recht erzwungene Ausschreibung von Linien vermieden werden. Dies kann aber nicht im Sinne des Fahrgastes sein. Leider wird viel Geld und Geisteskraft für ein eigenes Erscheinungsbild der SWM-Verkehrsbetriebe ausgegeben. Die ‚lila Kuh‘ wird aufs Gleis gestellt und überall prangt das SWM-Logo statt dem Münchner Kindl. Dieser Weg ist falsch. Das zeigt auch das Fahrplanchaos mit ständig wechselnden Abfahrtszeiten und Linienwegen.

Wir fordern:

Die Politik muß sich wieder voll für den Linienvekehr verantwortlich fühlen und nicht die Verkehrspolitik auf die Schultern von Geschäftsführern abladen und sie damit überfordern.

Die Landeshauptstadt München muß für den Ausbau der Verkehrsmittel bei U-Bahn und Trambahn in gleicher Weise durch das Baureferat sorgen.

Die SWM-Verkehrsbetriebe müssen sich auf ihre Kernkompetenzen, das Betreiben von öffentlichem Linienverkehr konzentrieren und dies zu konkurrenzfähigen Preisen tun.

Der MVV muß wieder mit mehr Kompetenz für die Fahrplangestaltung ausgestattet werden. Er hat insbesondere für die optimale Verknüpfung der unterschiedlichen Verkehrssysteme und Verkehrsunternehmen zu sorgen.

Die Tarifgestaltung muß schon im Jahr 2000 verbessert werden. Das Ticket ‚XXL‘ kann nicht auf später verschoben werden. Es muß wieder einen einheitlichen, für eine Fahrplanperiode gültigen Fahrplan geben. Der Fahrgast kann sich nicht durch Nachtragshefte zur Information durchquälen müssen.

Ablauf der Fahrplanentwicklung:

  1. Planungsreferat schlägt aufgrund von objektiven, in der Öffentlichkeit nachvollziehbaren Zahlen und Fakten das Leistungsangebot dem Stadtrat vor. Die Bezirksausschüsse werden mit ihrer lokaen Kompetenz intensiv beteiligt
  2. Der Stadtrat beschließt das Leistungsangebot.
  3. Der MVV beauftragt das beste Unternehmen. Dabei darf nicht nur das Geld eine Rolle spielen.

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