Gemeinsame Forderungen an die Münchner Kommunalpolitik: Takt 10 bis Zehn! Positive Nachfrageanpassu

Aktuelle Informationen für Presse und Rundfunk 17.02.2002 (05/2002)

Für Rückfragen steht Ihnen zur Verfügung:
Andreas Nagel, Freischützstraße 110, 81927 München, (0172) 8342157, nagel@fahrgaeste.de

Der MVV erfreut sich in den letzten Jahren steigender Nachfrage. Dies ist erfreulich. Aber es ist erstaunlich, daß dies ohne grundsätzliche Verbesserungen (z. B. dichteres Netz, bessere Takte; Verbesserungen bei der S-Bahn) gelang. Ob der Anstieg allerdings genauso groß ist wie der Zuwachs des motorisierten Individualverkehrs, bleibt fraglich. Es wurden aber in den letzten Jahren viele kleine und ärgerliche Kürzungen vorgenommen (‚Salamitaktik‘). Erst 2001 gab es keine weiteren Kürzungen. Wir hatten allerdings andere Vorstellungen von einem Ausbau der Linienverkehrsmittel.

Bei der Trambahn zeigt die Anpassung an übliche Standards wie Beschleunigung und Niederflurfahrzeuge ihre Wirkung, es gibt aber keinen einzigen Meter Neubaustrecke. Es besteht ein erheblicher Verbesserungsbedarf auf dem bestehenden Netz im Münchner Stadtgebiet. Gerade am Wochenende und abends ab 20 Uhr ergeben sich bei mehrmaligem Umsteigen lange Fahrzeiten. Ursache sind die auf 20 Minuten ausgedünnten Takte bei Trambahn und Bus. Auch tagsüber sind die Taktabstände teilweise zu lang (Trambahn in der Barer Straße, U2 in Schwabing). Dies führt zu einer nicht zumutbaren Überfüllung der Fahrzeuge.

Schluß mit der sinnlosen Eigenwerbung von MVV und MVG!

Es besteht zur Zeit der Eindruck, daß die Verantwortlichen von MVV und MVG mehr Energie auf Marketingkampagnen zur gegenseitigen Abgrenzung verschwenden, anstatt sich um Verbesserungen für die Fahrgäste zu bemühen. Dabei ist aus Fahrgastsicht Ziel der MVG-Gründung ja nicht darin zu sehen, eine ‚Werbeschlacht‘ mit dem MVV zu führen, sondern durch eine Optimierung der Kostenstruktur Verbesserungen für die Fahrgäste zu erzielen.

Unsere grundsätzlichen Forderungen:

U-Bahn: Dort wo ein U-Bahntunnel gebaut worden ist, muß er auch betrieblich genutzt werden. Ein 20-Minuten-Takt bei der U-Bahn kann nicht hingenommen werden. Die Beförderungskapazität ist an die Fahrgastzahlen auch nach oben hin anzupassen.

Trambahn: Takt 10 bis Zehn! Verbesserung bei der Tram 27 durch Verdichtung des 7 und 8-Minuten-Taktes auf einen 6-Minuten-Takt.

Stadtbus: Takt 10 bis Zehn! Entwirrung des Liniennetzes. Verbesserung durch Einzelmaßnahmen.

Reaktivierung des Nachtliniennetzes.

Zeitlicher Horizont: Jahresfahrplan 2003.
Die Maßnahmen zur Angebotsverbesserung im Einzelnen:

Von Seiten der MVG wird die Steigerung des Angebotes seit 1990 um 16% hervorgehoben. Hierbei ist jedoch zu beachten, daß sich diese Steigerung auf die sogenannten ‚Platzkilometer‘ bezieht. Zu dieser Steigerung tragen besonders die U-Bahnaußenstrecken bei, die naturgemäß relativ schlecht ausgelastet sind. (Messe-U-Bahn im Jahresdurchschnitt). Das ist die berühmte ‚warme Luft‘, die herumgefahren wird. Dem Fahrgast, der abends auf seinen Anschluß wartet oder der im überfüllten Zug beinahe keinen Platz findet, nützt ein leerer U-Bahnzug nach Riem nichts.

U-Bahn:
Hier ist auf besonders belasteten Abschnitten der Takt zu verdichten (z. B. Hauptbahnhof – Rotkreuzplatz, Münchner Freiheit – Harras). Die Ausdünnung nach 24:00 Uhr auf 20 Minutentakt ist rückgängig zu machen, da dies zu sehr schlechten Anschlüssen führt.
U7 Rotkreuzplatz – Sendlinger Tor ganztägig
U8 Milbertshofen – Neuperlach Zentrum ganztägig. Gerade in Schwabing in Giesing ergeben sich in der Hauptverkehrszeit Überfüllungen der U-Bahnzüge
Verstärkung der U6 Münchner Freiheit – Harras ganztägig
Nach Mitternacht längerer 10 Minutentakt (18 Minuten Umsteigezeit von der U1 auf die U5 am Hauptbahnhof sind inakzeptabel)
U4 abends wieder bis Hauptbahnhof

Trambahn:
Tram 27 alle 6 Minuten, v.a. Verstärkung in der Barer und Fraunhoferstraße
Tram 16 abends (v.a. im Sommer Ò Hirschgarten), Verstärkung der Tram 17 in der Arnulfstraße
Tram 19 verstärken (ganze Strecke von Pasing zur St.-Veit-Straße)
Besserer Spätverkehr:
Tram 18 alle 10 Minuten bis 22 Uhr zwischen Effnerplatz und Sendlinger Tor
Tram 19 alle 10 Minuten bis 22 Uhr (Pasing – St. Veit-Str.)
Tram 20 alle 10 Minuten bis 22 Uhr bis Moosach
Tram 25 alle 10 Minuten bis 22 Uhr bis Grünwald
Tram 25 alle 10 Minuten bis 20 Uhr bis Grünwald am Wochenende
Tram 27 alle 10 Minuten bis 22 Uhr (Petuelring – Schwanseestraße)

Bus:
Neues Angebot: Bus 182 Feldmoching – Karlsfeld
Verstärkung bestehender Linien: Bus 33, 41, 45, 58 und 95 abends alle 10 Minuten. Die Linien 33, 41 und 45 nehmen wichtige tangentiale Funktionen war. Bei einem 20 Minuten-Takt sind hier aber die Wartezeiten – und damit die Fahrzeiten – zu lang.
Bus 38 am Wochenende auch zwischen Trudering und Riem.

Nachtnetz:
Auf allen Linien mindestens Stundentakt auch unter der Woche.
Dichterer Takt nicht nur Sa/So, sondern vor jedem Feiertag (d.h. auch unter der Woche)

Optimierung des vorhandenen Angebots:
Wo mehrere Busse in eine Richtung abfahren, sollte auf gute Vertaktung und Anschlüsse geachtet werden.
Negativbeispiel: Englschalkinger Straße ab Arabellapark stadtauswärts: Samstag Nachmittag fahren 9 Busse pro Stunde, aber de-facto nur 20-Minuten-Takt (d.h. nur an jede 2. U-Bahn Anschluß). Abends ergeben sich Umsteigezeiten bis zu 10 Minuten, d.h. oben fährt der Bus ab, wenn unten die U-Bahn ankommt.
Eine deutliche Verbesserung würde die Verlängerung der Trambahn über Arabellapark bis nach St. Emmeram darstellen. Dann könnte das Busnetz kostenneutral deutlich verbessert werden (d.h. Optimierung der Abfahrtszeiten, bessere Anschlüsse). Die derzeit gegebenen Rahmenbedingungen lassen eine Optimierung nicht zu.

Finanzierung:
Die oben beschriebenen Verbesserungen müssen selbstverständlich auch finanziert werden. Hier ist vom Stadtrat die entsprechende Prioritätensetzung zu fordern. Wenn der Stadtrat – wie bisher – den Bau weiterer U-Bahnen ohne Rücksicht auf die Folgekosten beschließt, dann muß er auch die Finanzierung des zugehörigen Betriebes, das heißt ein entsprechendes Angebot bei der U-Bahn und bei Tram und Bus sicherstellen.
Im übrigen seien weitere Potentiale zur Kostensenkung noch einmal genannt:
Busbeschleunigung: Hier gab es seit 1995 (Linie 58) gerade mal 150 Meter Busspur in der Leopoldstraße.
Betriebskosten U-Bahn Pasing
Durch Beschleunigung eingesparte Trambahnzüge

Umsetzung:
Wir treten an die Stadträte heran und bitten die Münchner Bezirksausschüsse um Unterstützung. Wir fordern wieder eine verantwortliche Stelle in der Stadtverwaltung, die sich für den Linienverkehr als Daseinsvorsorge interessiert.

Wir befürchten einen Kahlschlag nach der Stadtratswahl, wie von Oberbürgermeister Ude bereits angekündigt, den wir allerdings nicht hinnehmen werden.

Aktion Münchner Fahrgäste
Sprecher: Roland Krack und Andreas Nagel
(0172) 8342157
Die Aktion Münchner Fahrgäste wurde 1989 gegründet. Sie ist ein Zusammenschluß von engagierten Fahrgästen und Fachleuten aus den Verkehrsbetrieben und der Stadtplanung.
www.fahrgaeste.de

Arbeitskreis Attraktiver Nahverkehr (AAN)
Sprecher: Berthold Maier, Dieter Horst, Matthias Hintzen
(0171) 2268385
Der Arbeitskreis Attraktiver Nahverkehr wurde 1978 innerhalb des Münchner Forums e. V. gegründet. Er ist ein unabhängiger Zusammenschluß von Münchner Bürgern, die sich für Fragen des modernen, umweltgerechten Nahverkehrs in ihrer Stadt interessieren.

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