MVV-Tariferhöhung 2004: Leistung runter – Preise rauf?

Aktuelle Informationen für Presse und Rundfunk 02.12.2003 (07/2003)

Für Rückfragen steht Ihnen zur Verfügung:
Andreas Nagel, Freischützstraße 110, 81927 München, (0172) 8342157, nagel@fahrgaeste.de

Am Freitag, 28. November 2003, hat die Gesellschafterversammlung des MVV unter Leitung von Oberbürgermeister Ude einen frechen Griff in den Geldbeutel der Fahrgäste beschlossen:

Es sollen die Fahrpreise um durchschnittlich 2,6 Prozent angehoben werden – aber die Preise des Bartarifes steigen um 4,2 Prozent. Dafür steigen die Preise der Monatskarten ’nur‘ um 1,4 Prozent.

Über den derzeitigen Zustand der S-Bahn muß wohl kein Wort verloren werden. Aber auch das zweite große Verkehrsunternehmen hat seine Leistungen bereits gekürzt und plant noch eine weitere drastische Einsparung. Mit dem Projekt ‚topbus‘ sollen im Busbereich 10 bis 30 Prozent eingespart werden. In diesem Jahr wurden bereits eine Trambahnlinie und zahlreiche Buslinien weniger häufig bedient. Die U-Bahn fährt im Spätverkehr und am Wochenende bereits seltener. Man muß es der S-Bahn und dem Freistaat Bayern hoch anrechnen, daß es wenigstens im Fahrplan keine Ausdünnung gab. Während bei der S-Bahn die Züge verspätet fahren, fahren die Verkehrsmittel der MVG teilweise gar nicht mehr.

Das Verfahren der Tariferhöhungen ist mittlerweile völlig undemokratisch geworden. Die Verkehrsunternehmen stellen den Antrag, der Oberbürgermeister telefoniert mit dem Staatsminister – und schon ist die Einigung zu Lasten Dritter erzielt. Der MVV-Fahrgastbeirat wurde natürlich nicht einmal angehört.

Grundsätzlich verstehen wir Fahrgäste die Notwendigkeit von Tariferhöhungen. Wir verstehen auch, daß diese lieber regelmäßig und in kleineren Stufen durchgeführt werden, als selten und dafür mit noch stärkeren Aufschlägen. Natürlich ist es besser, daß Monatskarten für vier Ringe einen Euro mehr kostet, als daß noch stärkere Einschränkungen am Abend und am Wochenende durchgeführt werden. Aber unsere Forderung, daß dann auch die Leistung stimmen muß ist mehr als gerechtfertigt.
Wir verstehen aber nicht, daß die Ungerechtigkeiten und Ungereimtheiten im Tarif von Jahr zu Jahr weiter mitgeschleppt werden.

Wir verlangen ab 1. April 2004 oder davor:

  • Angemessene Pünktlichkeit aller Verkehrsmittel, besonders bei S-Bahn und Bus!
  • Ausreichende und korrekte Information bei Betriebsstörungen!
  • Mehr Reserven bei Personal und Material!
  • Vernünftige Erreichbarkeit des MVV-Infotelefon (089) 41 42 43 44 !

Wir fordern wie bisher:

  • Zeitkarten mit Beginn der Gültigkeit an jedem Tag statt nur am Wochenanfang und Monatsanfang (oder tankt man immer nur montags?)
  • 24-Stundenkarte statt Tageskarte
  • Ungerechtigkeit beim Überfahren von Zonengrenzen
  • (2 Bahnhöfe sind eine Kurzstrecke, ab dem dritten Bahnhof ist es eine 2-Zonenfahrt)
  • Streifenkarte muß wieder 12 Streifen haben (statt 10 oder 11), damit die Anzahl der Streifen auch durch 4 (für zwei Zonen) und 6 (für drei Zonen) teilbar ist.
  • Grüne Karte im Jahresabonnement (12 Monate zum Preis von 11)
  • Ausbildungskarten im Abonnement (eventuell mit einer speziellen Regelung zur Gültigkeit)
  • ‚Ewige‘ Gültigkeit von Karten des Bartarifes oder eine ‚Mindeshaltbarkeit‘ ohne den aufwendigen und teuren Umtauschzirkus.

Satzung für den MVV-Fahrgastbeirat

Die Gesellschafterversammlung hat auch eine Satzung für den MVV-Fahrgastbeirat beschlossen. Nachdem alle Beteiligten sechs Jahre, zwei Amtsperioden, ohne eine Satzung zurecht kamen, wurde aus dem Kreis der Verkehrsunternehmen eine Satzung gefordert. Diese kann dazu führen, daß zwei Organisationen, der Arbeitskreis Attraktiver Nahverkehr, eine seit über 25 Jahren bestehende Verkehrsinitiative, und die Aktion Münchner Fahrgäste ausgeschlossen werden. Denn es wird nun eine Organisation in Form eines eingetragenen Vereines gefordert. Die Diskussion um die MVV-Satzung hat schon zu vier Abenden mühsamer Diskussionen geführt, eine Zeit, die man sicherlich für die Lösung wesentlicherer Probleme hätte nutzen können.

Wie der Teufel das Weihwasser scheuten die hauptamtlichen Verkehrsexperten ein Anhörungsrecht durch die Gesellschafterversammlung, eine angemessene Aufwandsentschädigung oder gar ein Entscheidungsrecht in Fragen der Kundeninformation.

Uns bleibt unverständlich warum auf die Chance zum Ausgleich gegensätzlicher Interessen nicht in ausreichendem Maße genutzt werden soll.

In einer ersten Fassung sollte die Teilnahme an Arbeitskreisen ohne Stimm- und Rederecht erfolgen.

Wir über uns:
Die Aktion Münchner Fahrgäste wurde im Juli 1989 gegründet. Sie ist ein Zusammenschluß engagierter Fahrgäste und kompetenter Fachleute aus der Verkehrsplanung, den Verkehrsunternehmen und der Industrie. Grundsätzliches Ziel ist die Steigerung des Anteils der Linienverkehrsmittel am Verkehrsaufkommen. Daneben werden aber auch Details der Fahrplangestaltung, der Fahrgastbedienung und der Verkehrsdurchführung unter die Lupe genommen. Wichtiges Ziel war der Erhalt der Trambahn in München als System. Dieses Ziel wurde von uns, natürlich nur gemeinsam mit all den anderen Initiativen und engagierten Bürgern, erreicht. Wir vertreten zur Zeit noch Kundenbelange im MVV-Fahrgastbeirat. Unser Sachgebiet Extrafahrten veranstaltet Reisen zu attraktiven Zielen.

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