Schneefall – Betriebschaos – Informationschaos

Aktuelle Informationen für Presse und Rundfunk 05.03.2006 (01/2006)

Für Rückfragen steht Ihnen zur Verfügung:
Andreas Nagel, Freischützstraße 110, 81927 München, (0172) 8342157, nagel@fahrgaeste.de

In München ist Schnee gefallen, 50 Zentimeter: Deshalb wurde der Betrieb von S-Bahn, Trambahn und Bus eingestellt. Unglaublich. Die Anstrengungen, den Betrieb wieder aufzunehmen, sind unbemerkbar. Das Ausrückgleis der Trambahn vom Betriebshof ist mittags um 12 immer noch nicht frei, es arbeitet aber auch niemand daran. Die Straßen sind relativ frei, Autos fahren – Busse natürlich nicht. Die S-Bahnen fahren wenigstens teilweise, insbesondere die Flughafenlinie S8 – aber mit der besonders fahrgastfreundlichen Verspätung von 18 Minuten. Wer pünktlich zum Zug geht kann so wenigstens sehen, daß gefahren wird.

100 Prozent Betriebsausfall lassen sich zu 20 Prozent auf den Schnee, aber zu 80 Prozent auf organisatorisches Unvermögen zurückführen.

Dazu ein paar Beispiele:

– Als die Verkehrsbetriebe noch nicht privatrechtlich organisiert waren, gab es genügend schienengebundene Schneepflüge, die sogar die ganze Nacht im Einsatz waren, damit die Gleise und Weichen frei blieben. Jeder, der für einen schneefreien Gehweg zu sorgen hat, weiß, daß sich frisch gefallener Schnee sehr leicht räumen läßt, Eis dagegen nicht.

– Die gute alte Bundesbahn warb mit dem Slogan: Alle reden vom Wetter – wir nicht. Dies ist leider lange vorbei. Es ist ja auch ganz klar, daß eine Eisenbahn nicht mehr funktionieren kann, wenn alle Weichen zentral von München aus gestellt werden. Dies ist das neue ‚Schönwetterkonzept‘.

– Für viel Geld wurde, mit finanzieller Unterstützung durch den Freistaat Bayern, das Fahrgastinformationssystem verbessert. Der Fahrgast merkt dies, da nach einem Klingklang-Gong die Ansage ertönt: ‚Auf Grund der Witterungsverhältnisse verspäten sich alle S-Bahnzüge oder fallen aus.‘ – Wer hätt’s gedacht? Dann kommt wieder eine automatische Ansage: ‚Die S-Bahn … hat 20 Minuten Verspätung. Aber nach drei Minuten fährt der entsprechende Zug ein. Prima. Früher wurde wenigstens nichts falsches gesagt, weil gar nichts gesagt wurde.

– Stunden nach Ende des Schneefalls waren die Bahnsteigkanten am Ostbahnhof, dem Sitz der S-Bahn, immer noch nicht geräumt.

– Aktuelle Informationen sollte es doch heutzutage im Internet geben. Die MVV-Homepage weiß gar nichts. Bei der elektronischen Fahrplanauskunft verkehren alle Verkehrsmittel, also auch Trambahn und Bus, so wie es im Fahrplan steht. Die MVG- Homepage hat einen Ticker: +++ Alle Buslinien +++ alle Straßenbahnlinien +++ wer’s weiß kann ergänzen +++fahren nicht +++. Die S-Bahn-Hompage kennt 3 Linien, die wieder befahren werden und gibt den Hinweis: ‚Alle anderen Strecken werden, wie auch der innerstädtische Tram- und Busverkehr, sind unterbrochen.‘ ??? Alles klar!. Aber es gibt ja noch eine kostenpflichtige Hotline. (Wir sparen uns den Anruf.)

Eigentlich sollte ein Betriebsleiter, der den Betrieb einstellen muß, weil er alle erforderlichen Hilfsmittel wegrationalisiert hat, sein Amt zur Verfügung stellen. Wahrscheinlich kassiert er aber dafür eine Prämie. Wir empfehlen den verantwortlichen Damen und Herren ein Betriebspraktikum in Norwegen oder Schweden. Dort funktioniert ein schienengebundenes Verkehrsmittel auch im Winter. Auch in München waren Schnee und die Maßnahmen zu seiner Beseitigung früher nicht unbekannt.

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