Scherbenhaufen angerichtet

Aktuelle Informationen für Presse und Rundfunk 06.08.2006 (04/2006)

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Andreas Nagel, Freischützstraße 110, 81927 München, (0172) 8342157, nagel@fahrgaeste.de

Jetzt ist es den verantwortlichen Politikern aus Bund, Land und Stadt endlich gelungen, einen unbeschreiblichen Scherbenhaufen der schönen Münchner Verkehrsprojekte anzurichten. Jahrelang haben sie uns vollmundig versprochen, daß im Jahre 2010 das Verkehrsparadies in München errichtet sein wird: Ein leiser, schneller Transrapid schweeeeeeebt zum Flughafen, eine zweite Röhre sorgt dann für einen störungsfreien S-Bahnverkehr und moderne Trambahnen verbinden die Münchner Stadtteile wie Bogenhausen und Schwabing. Und jetzt, wo die Zeit für einen Baubeginn eigentlich schon lange vergangen ist… fehlt das Geld oder ein anderes unüberwindliches Problem tut sich auf. Zuerst fehlt das Geld natürlich immer für die Projekte, die ein anderer vorgeschlagen hat. Also der Verkehrsminister Huber hat das Geld für den Transrapid, aber nix für die S-Bahn. Oberbürgermeister Ude will eigentlich neue Trambahnstrecken bauen, aber der bayerische Finanzminister als Hüter des Englischen Garten läßt ihn nicht – und ob es Landeszuschüsse für die planfestgestellte Tram 23 in Schwabing gibt… ist fraglich. Und der Bundesverkehrsminister Tiefensee träumt von einem riesigen unterirdischen Hauptbahnhof in Stuttgart während er natürlich kein Geld für einen Lift am Stachus hat, wo ein Rollstuhlfahrer leider seit 24 Jahren nicht in die S-Bahn einsteigen kann.

Dabei würde es ja ein Vorgehen geben, das jeder Mensch anwendet, wenn er sich einen Wunsch erfüllen möchte: Man wirft einen Blick in den Geldbeutel oder aufs Sparbuch. Dort kann man ganz leicht erkennen, ob es zum Beispiel für einen Handrasenmäher oder einen elektrischen oder für einen automatischen Mähroboter reicht. Falls nur eine kleinere Zahl von Nullen hinter der ersten Ziffer steht wird man einfach auch in Zukunft selbst Hand anlegen müssen und das automatische Rasenmähen bleibt ein Traum. So einfach ist es. Man paßt die Wünsche einfach an das mach- und finanzierbare an. Und man wirft das wenige Geld, das man hat, nicht für Konstruktionspläne des Mähroboters hinaus, den man sich dann doch nicht leisten kann.

Wir, die Vertreter der Fahrgastinteressen, fordern nun einvernehmliche Lösungen von Bund, Land und Stadt. An einem gemeinsamen Tisch müssen die verschiedenen Wünsche mit der finanzpolitischen Realität in Einklang gebracht werden. Insbesondere darf jetzt kein Geld mehr für Planungen und Untersuchungen von Projekten verschwendet werden, die einfach den Generationen nach uns überlassen werden müssen.

Selbstverständlich müssen die verschiedenen Gruppen von Fahrgästen, Behinderten, Naturschützern und weiteren Interessenvertretern dabei berücksichtigt werden.

Und für die einzelnen Projekte gibt es ganz simple Zusammenhänge, die geklärt werden müssen:

a) Der Transrapid ist ein Prestigeprojekt, das wie der Eifelturm zur Darstellung der deutschen Ingenieurskunst sehr gut geeignet ist. Zur Fahrt zum Flughafen ist er nicht unverzichtbar. Hat man das Geld, kann man ihn bauen.

b) Fehlt das Geld für einen zweiten S-Bahntunnel, so muß man die vorhandene Infrastruktur mit besserer Leittechnik für größere Kapazitäten ausbauen, auch wenn die Gleise ringförmig im Süden von München liegen.

c) Die im Jahre 1991 einstimmig beschlossenen Trambahntangenten und die Tram 23 müssen zeitnah verwirklicht werden, denn sie verbessern das Wirtschaftsergebnis des Verkehrsunternehmens. Wenn man als Aufsichtbehörde die Linienführung einer Strecke genehmigt, muß man sich auch im Fortgang des Verfahrens daran halten.

d) Eine Tieferlegung des Stuttgarter Hauptbahnhofes ist genauso unsinnig wie dieselbe Planung für München, von der ja schon niemand mehr spricht. Denn seit die Züge nicht mehr mit Dampflokomotiven befördert werden nimmt das Wenden in einem Kopfbahnhof nicht mehr Zeit in Anspruch, als für das Ein- und Aussteigen der Fahrgäste benötigt wird. Und bei einer Fahrzeit von 8 Stunden und 39 Minuten zwischen München und Paris muß man sich um eine zeitliche Konkurrenz mit dem Flugzeug keine Gedanken machen. Auch wenn es sich um einen europäischen Korridor handelt.

Wir fordern, das machbare gemeinsam in Angriff zu nehmen.

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