Warnstreik: München ohne U-Bahn und Trambahn

Am Dienstag, 3. Februar 2009, streiken die Beschäftigten des kommunalen Verkehrsunternehmens in München. Bis zum späten Nachmittag verkehren keine U-Bahnen und Trambahnen. Nur die Busse der privaten Verkehrsunternehmen rücken aus und sollen einen Notfahrplan entsprechend dem Nachtliniennetz anbieten.

Die Gerwerkschaft ver.di fordert gemeinsam mit der DBB-Tarifunion 9,5% mehr Entgelt, mindestens 250 €, rückwirkend ab 1. Januar 2009. Ferner verlangen die Gewerkschaften eine Erhöhung der Zuschläge für Schicht- und Wechselschichtbeschäftigte.

Seit 2004 hat es in dieser Branche keine tabellenwirksamen Tariferhöhungen mehr gegeben. Zum Ausgleich der Inflationsrate wurden in den letzten Jahren nur Einmalzahlungen vereinbart. Letztlich waren die Inflationsraten aber immer höher als in der Prognose ausgefallen. Das Sinken der Realeinkommen der Beschäftigten war die Folge.

Die Gewerkschaften stellten fest, dass sich die Umsätze der Nahverkehrsbetriebe in Bayern in den letzten Jahren positiv entwickelt haben. Trotz der Wirtschaftskrise rechnet die Gewerkschaft ver.di in Bayern mit einer steigenden Zahl von ÖPNV-Nutzern. In dieser Tarifrunde fordern die Gewerkschaften deshalb mehr als nur den Inflationsausgleich, den die Arbeitgeber angeboten haben.

‚Die Beschäftigten haben es verdient, für gute Leistung auch gutes Geld zu bekommen‘, betont der ver.di-Verhandlungsführer Frank Riegler. Noch vor der 2. Verhandlungsrunde am Donnerstag, 05.02.2009 werde es deshalb in mehreren Städten Bayerns zu Arbeitsniederlegungen in den Verkehrsbetrieben kommen.

Mit rund 200 Fahrzeugen wird die MVG ein Busnotnetz aufbauen, das eine gewisse Mindestbedienung ermöglicht. Das Busnotnetz orientiert sich am Nachtliniennetz der MVG (mit 11 Linien wie an Wochenenden). Die vier Trambahnlinien des Nachtnetzes werden dabei durch Busse ersetzt (z. B. Bus N117 statt Tram N17). Das Nachtliniennetz bietet eine flächendeckende Erschließung der Stadt, ist den MVV-Fahrgästen bereits bekannt und hängt zudem an den Bus- und Trambahnhaltestellen aus. Darüber hinaus werden große Teile des MetroBus-Netzes bedient, da diese Linien sternförmig von der Innenstadt in die Außenbezirke führen und ohnehin stark frequentiert werden. Hinzu kommen einige StadtBus-Linien, vorwiegend dort, wo keine Bedienung durch Busse auf Nachtlinien oder MetroBusse gegeben ist. Ein Teil der MetroBus- und StadtBus-Linien fährt allerdings verkürzt, weil die entfallenden Abschnitte bereits von ‚Nachtlinien‘ bedient werden. Außerdem verkehren Busse auf Teilstrecken der Tram 18 und der Tram 25, die durch das ‚Nachtnetz‘ nicht abgedeckt werden. Beispielsweise von der Großhesseloher Brücke nach Grünwald.

Obwohl sich der SWM-Geschäftsführer Verkehr, Herbert König, nicht zu den Tarifauseinandersetzung als solchen äußern wollte gab dennoch folgenden Hinweis: ‚Die Betriebskosten des MVG-Verkehrs, zu denen natürlich auch die Personalkosten gehören, müssen vollständig aus den Fahrgeldeinnahmen finanziert werden. Es besteht also ein unmittelbarer und zwingender Zusammenhang zwischen der Lohntarifentwicklung und den künftigen Fahrpreisen.‘

Andreas Nagel, Sprecher der Aktion Münchner Fahrgäste, zeigt Verständnis für die harsche Reaktion der Gewerkschaften. ‚Wir konnten in den letzten Jahren nur in den obersten Etage wirkliche Gehaltserhöhungen feststellen. Beim Fahrpersonal wurde dagegen kräftig gespart. Dies kann sich natürlich niemand gefallen lassen.‘

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