MVG-Leistungsprogramm 2012 ist ein Zeugnis fast vollständiger Beratungsresistenz

Aktuelle Informationen für Presse und Rundfunk 05.07.2011 (39/2011)

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Andreas Nagel, Freischützstraße 110, 81927 München, (0172) 8342157, nagel@fahrgaeste.de

Heute, am 5. Juli 2011 steht das MVG-Leistungsprogramm 2011 auf der Tagesordnung des zuständigen Ausschusses im Münchner Stadtrat. Die Vorlage des Referenten ist ein Zeugnis fast vollständiger Beratungsresistenz . Die Müncner Bezirksausschüsse und die Fahrgastverbände haben mit viel Aufwand Stellung zu den verschiedenen Vorhaben und zusätzlichen Erfordernissen des Linienverkehrs in München bezogen. Dies war eigentlich vergeblich. Abweichungen von den ursprünglichen Plänen sind nicht oder zumindest fast nicht zu erkennen. In den günstigsten Fällen wird eine ‚weitere Beobachtung‘ zugesichert.

Aber wir wollen uns zunächst mit den positiven Seiten der Stadtratsvorlage beschäftigen. Das Nachtliniennetz wird auf Kosten des Steuerzahlers ausgebaut. Damit wird wieder einmal die Richtigkeit der damaligen Initiative von den Stadträten Fricke (David gegen Goliath), Schosser (CSU) und Zöttl (CSU) im Jahre 1994 bestätigt. In der Nacht vom 13./14. September 1994 fuhren die ersten MVV-Nachtlinien. Heute sichern sie allen, die früh oder spät arbeiten müssen eine kostengünstige und umweltfreundliche Fahrtmöglichkeit. Und sie sichern jungen Erwachsenen, die am Nachtleben teilgenommen haben, eine Möglichkeit sicher nach Hause zu kommen.

Der unsägliche Hinke-Takt in Grünwald wird endlich wieder abgeschafft und den hohen Fahrgastzahlen auf den Linien 15/25 wird Rechnung getragen. Dort wurde zwar eine Fahrt alle 10 Minuten angeboten, aber immer zu unterschiedlichen Abfahrsminuten.

Den Fahrgästen auf der ständig überfüllten Tram 27 wird zwischen Petuelring und Sendlinger Tor ein besserer Takt angeboten. Damit wird eine langjährige Forderung unseres Fahrgastverbandes erfüllt. Allerdings wird die Linie im südlichen Teil eingestellt. Dort werden den Fahrgästen zwischen Sendlinger Tor und Schwanseestraße statt 8 Zügen nur noch 6 Züge angeboten. Dies ist in den Augen der MVG nur eine ‚leichte‘ Verschlechterung. In Wirklichkeit wird eine bewährte Verbindung aufgegeben, ein Parallelverkehr zur U-Bahn eingerichtet und den Fahrgästen in der Au und Giesing ein wesentlich schlechteres Angebot gemacht.

Den gestiegenen Fahrgastzahlen in der U-Bahn wird mit einer Angebotsverbesserung entsprochen.

Nun zum ärgerlichsten Punkt der Vorlage. Nach über einem Jahr von heftigen Protesten undvielfältigen Aktionen schlägt der Referent den Stadträten entgegen den Forderungen des Bezirksausschusses Moosach, einer Bürgerinitiative und dem Fahrgastverband keine Verbesserung für die Moosacher Bevölkerung vor. Mit der Eröffnung der U3 nach Moosach wurde nicht nur der ersetzte Metrobus 51 auf dem parallelen Abschnitt eingestellt, sondern auch noch die Metrobuslinie 50. Mit dieser wurde in der Umgebung der U-Bahn ein wichtiges und stark bewohntes Stadtquartier abgeschnitten und eine Tangentialverbindung von gesamtstädtischer Bedeutung gekappt. Zwar hat die MVG vier verschiedene Varianten geprüft. Aber es gibt keine Prognose über die erwarteten Fahrgastzahlen und den verkehrlichen Nutzen dieser Verbindung. Noch ärgerlicher ist, daß die zu diesem Thema vorgeschlagene Beschleunigung der Metrobuslinien 50 und 51 mit keinem Wort erwähnt werden. Damit wäre nämlich eine Angebotserweiterung ohne zusätzliche Betriebskosten möglich gewesen. Die völlig überflüssige Stadtbuslinie 143 zwischen Olympia-Einkaufszentrum und Amalienburgstraße wird nicht in Frage gestellt. Dort fahren tagsüber überdimensionierte Gelenkbusse und nachts ein völlig leerer Kleinbus.

Die Informationspolitik der Stadt und der MVG sind unannehmbar schlecht. Die Informationen im Internet wurden nur einen Tag vor der Entscheidung und nur auf Nachfrage bereitgestellt. Die Fahrgastzahlen fehlen, die Kosten werden nur im nichtöffentlichen Teil behandelt. Dies hat mit einer transparanten Stadtpolitik, die der Bürger verstehen und akzeptieren kann nichts zu tun.

Von einer rot-grünen Mehrheit ist eine andere Politik zu erwarten. Noch haben die Politiker die Möglichkeit zur Korrektur.

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