Rückblick 2011: Tragische Unfälle überschatten den Betrieb der Schnellbahnen

Aktuelle Informationen für Presse und Rundfunk 27.12.2011 (67/2011)

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Andreas Nagel, Freischützstraße 110, 81927 München, (0172) 8342157, nagel@fahrgaeste.de

Zu Beginn des Jahres 2011 konnten sich die Fahrgäste über die neue Beschilderung der U-Bahnhöfe durch die Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) freuen. Jeder Aufgang wird nun mit einem Buchstaben gekennzeichnet und dieser Buchstabe findet sich auch in den Orientierungsplänen wieder.

Eine realistische Einschätzung erfuhr der weitere U-Bahnbau in der Landeshauptstadt München. Mit der Inbetriebnahme des U-Bahnhofs Moosach ist der U-Bahnbau auf Münchner Stadtgebiet abgeschlossen. Allach wird nicht mit einer U-Bahn angebunden, auch U-Bahntangenten erreichen nicht die erforderlichen Werte beim Vergleich von Kosten und Nutzen. Statt dessen wird ein weiterer Ausbau des Trambahnnetzes in Angriff genommen. So ist die Verlängerung der Trambahnlinie 23 schon in die Überlegungen des Planungsreferates aufgenommen. Auch die Bürger fordern weitere Ausbauten wie zum Beispiel die Verlängerung der Trambahn vom Max-Weber-Platz nach Berg am Laim.

Ein Lokführerstreik hat den Fahrgästen im Februar 2011 wieder viel Geduld abverlangt. Zum Glück konnten auf allen Linien noch Züge fahren, da es noch Beamte im Dienst der Eisenbahn gibt. Grotesk war, daß sich der Lokführerstreik eigentlich gegen die Konkurrenten der Deutschen Bahn richtete. Aber am Schluß saßen die Lokführer am längeren Hebel.

Am Karsamstag, 23. April 2011, überquerte ein 17 Jahre alter Jugendlicher aus dem Landkreis Ebersberg gegen 23:45 Uhr mit einer Gruppe von etwa 15 Jugendlichen auf dem Weg zum S-Bahnhof Feldkirchen die dortigen Bahngleise. Alle kamen von einer Feier am Heimstettener See. Der Jugendliche stieg auf einen dort abgestellten Kesselwagen und kam in die Nähe der stromführenden Fahrleitung mit einer Nennspannung von 15.000 Volt. Er erlitt einen Stromschlag, den er nicht überlebte

Damit Bauarbeiten an den Gleisen und Haltepunkten durchgeführt werden können, wurde die Stammstrecke der Münchner S-Bahn am Freitag, am Freitag, 10. Juni 2011, ab 19:30 Uhr gesperrt. Die Fahrgäste mußten auf einen Schienenersatzverkehr (SEV), der von Pasing bis Ostbahnhof eingerichtet war, oder andere Verkehrsmittel umsteigen. Die Sperrung dauert über das gesamte Pfingstwochenende bis Dienstag früh.

Die Schauspielerin Monika Baumgartner übergab am 14. Juni 2011 dem Münchner Bürgermeister Hep Monatzeder 3000 Unterschriften für die Wiederinbetriebnahme der Metrobuslinie 50 in Moosach. Die Bürgerinitiative Metrobus 50 Moosach und die Aktion Münchner Fahrgäste setzen sich für eine Metrobusnordtangente ein. Diese verbindet dann Johanneskirchen mit dem Romanplatz. Zwar konnte die Wiederinbetriebnahme noch nicht erreicht werden, aber der Münchner Stadtrat beschloß die Beschleunigung der Linie 50, eine Vorraussetzung für den wirtschaftlichen Betrieb der Verlängerung.

Am Samstag, 2. Juli 2011, sind die Mobilfunkeinrichtungen in den letzten Münchner U-Bahnhöfen in Betrieb gegangen. Damit steht den Fahrgästen nicht nur das Mobilfunknetz zum telefonieren und surfen zur Verfügung, sondern es kann auch an jedem Ort die Polizei unter ihrer Servicenummer 110 informiert werden. Diese Möglichkeit war für den Münchner Oberbürgermeister Christian Ude ausschlaggebend, bei der Münchner Verkehrsgesellschaft ein Umdenken zu erwirken. Denn am Anfang wurde der Ausbau des Mobilfunks mit dem Hinweis auf vermeintliche Fahrgastwünsche verhindert.

Ab Freitag, 12. August 2011, gegen 22 Uhr wurde das neue elektronische Stellwerk in München-Pasing in Betrieb genommen. Dadurch war kein Zugverkehr im Bahnhof Pasing mehr möglich. Die S-Bahnlinien mußten genauso unterbrochen werden wie der Regional- und Fernverkehr. Es gab ein umfangreiches Umleitungs- und Schienenersatzverkehrskonzept. Das neue Stellwerk funktionierte auf Anhieb gut, die Mitarbeiter haben eine gute Leistung abgeliefert.

Der Bayerische Rundfunk und die Münchner Verkehrsgesellschaft wollen gemeinsam die Dynamische Fahrgastinformation an den Haltestellen ausbauen. Für die Fahrgäste ist die minutengenaue Anzeige der Abfahrt des jeweiligen Verkehrsmittels ein besonders wichtiger Punkt. Trotz der Verbreitung von Mobilfunkgeräten und der Verbreitung des mobilen Internets bleibt die Fahrgastinformation an der Haltestelle unverzichtbar.

Am Samstag, 24. September 2011, kam es gegen 23:55 Uhr zu einem Unfall mit tödlichem Ausgang im Münchner U- Bahnhof Westpark. Ein 23 Jahre alter Mann stürzte offensichtlich betrunken vom menschenleeren Bahnsteig in den Gleisbereich. Er geriet zwischen Bahnsteigkante und U-Bahnzug. Dabei wurde er schwer verletzt und verstarb in einer Münchner Klinik trotz intensiver ärztlicher Bemühungen. Der U-Bahnfahrer erlitt einen Schock. Leider blieb dieses Ereignis kein Einzelfall. Insgesamt wurden im Jahr 2011 drei Fahrgäste unter ähnlichen Umständen getötet, einer wurde schwerverletzt, drei wurden verletzt und drei zum Glück gerettet.

Zum Fahrplanwechsel am 11. Dezember 2011 wurde der Genuß von Alkohol in der Münchner S-Bahn untersagt. Damit gab die Deutsche Bahn dem Drängen von verschiedenen Seiten nach und folgte dem Beispiel der Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG). Über ein soziales Netzwerk wurde zu einem ‚MVV-Abschiedstrinken‘ eingeladen. Dies lief völlig aus dem Ruder. Am Schluß sprach die Bahn von einem Schaden von 230.000 Euro.

Die Münchner Trambahnstrecke nach St. Emmeram wurde am 10. Dezember 2011 endlich in Betrieb genommen. Trotz der jahrzehntelangen Verspätung war es ein wichtiger Erfolg für die Fahrgäste. Zwar wurde die Strecke schon in den 60er-Jahren des letzten Jahrhunderts für die Trambahn vorgesehen und die Straßenbeleuchtung entsprechend ausgerüstet, aber eine Verspätung reihte sich an die andere. Sogar ganz zum Schluß konnte der vorgesehene Termin im Frühjahr 2011 nicht eingehalten werden. Am 13. März 1991 beschloß der Münchner Stadtrat einstimmig den Ausbau der Münchner Trambahn. Und schon im Jahre 1994 glaubte man sich dem Ziel sehr nahe. Aber der Protest weniger Bürger sorgte für einen Meinungsumschwung bei der CSU, die daraufhin diese Trambahnstrecke – wie alle anderen – vehement bekämpfte. Vom Protest war am Eröffnungstag nichts mehr übrig geblieben. Begeistert nahmen die Bürger an der Eröffnungsfeier teil. Seit ihrer Inbetriebnahme erfreut sich diese neue Trambahnlinie eines regen Zuspruchs.

Nichts funktioniert so pünktlich und zuverlässig wie die Tariferhöhungen des Münchner Verkehrs- und Tarifverbundes (MVV). Am Sonntag, 11. Dezember 2011, wurden die Fahrpreise um durchschnittlich 2,3 Prozent erhöht. Wenigstens blieb der Preis für Streifenkarten diesmal stabil.

Seit dem 19. Juli 2010 wurden die neuesten Münchner Trambahnzüge ‚vorübergehend‘ abgestellt. Es fehlte ihnen die Zulassung durch die Aufsichtsbehörde. Während ähnliche Fahrzeuge in Nürnberg wenigstens mit einer Ausnahmegenehmigung fuhren, die Verkehrsbetriebe in Augsburg und Berlin eine neue Generation in Betrieb genommen haben, dauerte es in München bis zum 12. Dezember 2011 bis der erste Zug wieder im Einsatz gesichtet werden konnte. Dies war weder für das Verkehrsunternehmen noch für die Aufsichtsbehörde eine angemessene Leistung.

Die sichere Finanzierung der von Land und Stadt geforderten zweiten S-Bahnstammstrecke konnte auch in diesem Jahr nicht gesichert werden. Auch von einer Fertigstellung der Planfeststellungsunterlagen wurde nichts bekannt. Für viele Beobachter ist das Projekt jetzt schon gescheitert, man spricht von einem „toten Gleis‘.

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