Häufung der Unfälle im Gleisbett macht zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen erforderlich

Aktuelle Informationen für Presse und Rundfunk 24.06.2013 (17/2013)

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Andreas Nagel, Freischützstraße 110, 81927 München, (0172) 8342157, nagel@fahrgaeste.de

Am Sonntag, 23. Juni 2013, gegen 02:45 Uhr, betrat ein 37jähriger Mann den Bahnsteig des U-Bahnhofes Trudering. Er ging in Richtung des Gleisbetts der U2. Ohne an der Bahnsteigkante anzuhalten lief der Mann weiter, fiel in das Gleisbett und blieb dort zwischen den Gleisen liegen.
Um 04:54 Uhr fuhr ein U-Bahnzug von der U-Bahnhaltestelle Kreillerstraße kommend in den U-Bahnhof Trudering ein. Beim Einfahren erkannte der 47jährige U-Bahnfahrer den zwischen den Gleisen auf dem Bauch liegenden Mann und leitete eine sofortige Schnellbremsung ein. Er konnte jedoch ein Überrollen des im Gleisbett Liegenden nicht mehr verhindern. Der vermutlich alkoholisierte Pole wurde schwer am Rücken verletzt. Er wurde von der Feuerwehr unter der U-Bahn heraus gerettet und durch den hinzugerufenen Notarzt an der Unfallstelle erstbehandelt und in ein Krankenhaus gebracht. Dort wurde er sofort notoperiert. Nach derzeitigem Kenntnisstand wird er den Unfall überleben.

Bereits am Sonntag, 16. Juni 2013, befand sich ein 20jähriger Schüler gegen 08:00 Uhr im U-Bahnhof Basler Straße. Aufgrund seiner erheblichen Alkoholisierung fiel er vom Bahnsteig in den Gleisbereich. Glücklicherweise kam er im dortigen Notschacht zum Liegen. Als die U3, die in Richtung Moosach unterwegs war, in den Bahnhof einfuhr, versuchte der Fahrer noch ein Überfahren zu vermeiden, indem er eine Notbremsung durchführte. Die U-Bahn kam jedoch nicht mehr rechtzeitig zum Stehen. Da der 20jährige in den Notschacht gelangt war, überlebte er schwer verletzt. Es wurden ihm zwei Finger von der linken Hand abgetrennt und er erlitt einen offenen Oberschenkelbruch. Er wurde vom Notarzt erstversorgt und zur Weiterbehandlung in ein Klinikum gebracht, wo auch eine Blutprobe entnommen wurde.

Diese beiden Fälle, über die die Polizei berichtet hat, sind für die Aktion Münchner Fahrgäste der Anlaß zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen zu fordern. Gerade die Unfälle bei den ersten Fahrten nach Betriebsaufnahme lassen sich relativ leicht durch organisatorische Maßnahmen verhindern. Denkbar ist eine Sichtkontrolle durch örtliches Personal, durch Kameraüberwachung oder durch ein Einfahren in die Bahnhöfe auf Sicht. Der Fahrgastverband hat die Erprobung einer Gleisbettüberwachung gefordert, was nach erheblichem Widerstand durch das Verkehrsunternehmen nun endlich durchgeführt wird. Solange aber noch keine Erkenntnisse vorliegen und nicht alle unterirdischen Bahnhöfe entsprechend ausgerüstet sind, müssen andere Maßnahmen zur Sicherheit der Fahrgäste ergriffen werden.

‚Es geht uns nicht nur um die Verunglückten, sondern auch um das Personal und die Rettungskräfte‘, sagt Andreas Nagel, Sprecher der Aktion Münchner Fahrgäste. ‚Wir bedauern die Zunahme dieser Fälle außerordentlich und wissen natürlich auch, daß es keine absolute Sicherheit gibt. Trotzdem sind zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen erforderlich.‘

Sollten Fahrgäste bemerken, daß jemand ins Gleisbett gefallen ist, so muß bei der U-Bahn sofort der Nothalt, der an jedem Bahnsteig vorhanden ist, unverzüglich betätigt werden. Bei der S-Bahn kann man sich an die Aufsicht wenden. Alle weiteren Handlungen richten sich nach der jeweiligen Situation. Die eigene Sicherheit muß dabei natürlich berücksichtigt werden.

Gemeinsam mit dem Polizeipräsidium München und der Bundespolizeiinspektion München führt der Fahrgastverband ein Verhaltenstraining für Fahrgäste unter dem Motto ‚Mit Herz und Verstand handeln. Notfall? Du hilfst – ich auch!‘ durch. Dabei werden die Notfalleinrichtungen bei S- und U-Bahn ausführlich besprochen. Die nächste kostenlose Veranstaltung findet am Dienstag, 2. Juli 2013 statt. Anmeldungen sind unter www.fahrgaeste.de möglich.

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