ÖPNV-Offensive muss sinnvoll erfolgen

Die Aktion Münchner Fahrgäste begrüßt die große ÖPNV-Offensive im Rathaus. In den öffentlichen Nahverkehr muss dringend investiert werden. Nicht nur der ständige Bevölkerungszuwachs, auch die wahrscheinlich Ende des Jahres kommende Tarifstrukturreform mit ihrer stadtweiten Monatskarte wird bereits zu einer starken Zunahme der Nutzung führen.

Der Fehler bei der 2. S-Bahn-Stammstrecke, dass viele sinnvolle kleinere und schnellere Investitionen in den S-Bahn-Außenästen über ein Jahrzehnt auf Eis liegen, darf sich bei den städtischen Verkehrsmitteln nicht wiederholen. Es bringt nichts Milliarden nur als Beton in den Untergrund zu pumpen. Wir brauchen kurz- und mittelfristige Lösungen und Investitionen in allen Stadtvierteln. Dazu gehören vor allem auch neue Bus- und Trambahnlinien sowie Taktverdichtungen.

Eine nicht förderfähige U26 kommt der Stadt nicht nur beim Bau sehr teuer, sondern bleibt auch im späteren Betrieb dauerhaft hoch-defizitär. Sämtliche Trambahn-Neueröffnungen der letzten 20 Jahre wurden hingegen zum Erfolgsschlager.

MVV-Zeitkarte schon immer Flatrate – Massive Takt- und Kapazitätsausweitung notwendig

Die aktuell im Rahmen der MVV-Tarifreform zumindest von den Münchner Vertretern favorisierte Innenraum-Flatrate ist nichts Neues. Seit Jahrzehnten kann eine Zeitkarte immer als „Flatrate“ beliebig oft innerhalb des zeitlichen und räumlichen Geltungsbereiches genutzt werden. Wenn es ab Ende 2018 für Zeitkarten-Nutzer nur noch eine Innenraumzone geben wird, bedeutet das für aktuell mindestens 120.000 Zeitkartennutzer, die lediglich bisher 2 Zeitkartenringe gebucht haben, eine Preiserhöhung von ungefähr 20 Prozent. Das sind gut ein Viertel aller Zeitkartennutzer, die dann mehr kaufen müssen als sie für die tägliche Fahrt zur Arbeit benötigen. Auch Pendler aus dem Umland müsten dann immer den kompletten Innenraum buchen, obwohl sie beispielsweise aktuell vielleicht nur eine Innenraumzone brauchen. Für die restlichen Innenstadt-Zeitkarteninhaber wäre die neue Flatrate ein Preisgewinn, da diese günstiger sein soll als bisher 3 oder 4 Ringe kosten.

„Die Stadt München will mit der neuen Flatrate vor allem ein verkehrs- und umweltpolitisches Signal setzen“, so Stefan Hofmeir, Sprecher der Aktion Münchner Fahrgäste. „Die Münchner sollen künftig alle Innenstadtfahrten öffentlich vornehmen und das Auto ganz in der Garage lassen.“ Wer die neue Flatrate beschließt, sollte aber auch gleich für die dafür notwendigen massiven infrastrukturellen und betrieblichen Erweiterungen Geld bereitstellen. „Bei einem Innenraum-Zeitkarten-Pflichtabo werden den MVV noch mehr Menschen nutzen als sowieso schon in der schnell wachsenden Stadt prognostiziert“, so Hofmeir weiter. „Wir brauchen dann dringend einen funktionierenden 2-Minuten-Takt auf allen Innenstadt-U-Bahnlinien, die neuen Trambahn-Tangenten im Norden und Westen und Streckenerweiterungen sowie weitere Expressbuslinien. Dazu auch möglichst schnell die neuen Betriebshöfe bei U-Bahn und Trambahn. Nicht zu vergessen die S-Bahn-Ausbauten auf den Außenstrecken. Nur so kann der drohende MVV-Verkehrskollaps abgewendet werden.“

Sollte eine Innenraum-Flatrate kommt, sollte dies auch für die Schüler gelten. „Aus dem Ausbildungstarif muss eine Art pauschales Schul- und Freizeitticket werden, das der Freistaat finanziert“, so Hofmeir abschließend.

Kostenloses Zivilcourage-Trainings

Angst ist immer ein schlechter Ratgeber. Aber wie komme ich sicher nach Hause, auch wenn ich beim Feiern war? Die Antwort auf diese Frage geben erfahrene Beamte der Polizei beim Verhaltenstraining für Fahrgäste. Das Polizeipräsidium München, die Bundespolizeiinspektion München und die Aktion Münchner Fahrgäste veranstalten Kurse für Zivilcourage. Im Mittelpunkt steht die Vermeidung von gefährlichen Situationen und das angemessene Verhalten.

Die kostenlosen Kurse finden im Verkehrszentrum des Deutschen Museums auf der Schwanthalerhöhe statt. Anmeldung im Internet unter www.fahrgaeste.de
oder Telefon (089) 20 35 50 00.

Die Kurse sind besonders auch für Jugendliche geeignet. Neben theoretischen Erläuterungen werden auch Rollenspiele durchgeführt, die ganz anschaulich das richtige Verhalten erlernen lassen. ‚Wir wollen, dass es gar nicht zu Situationen kommt, bei denen Fahrgäste zu Schaden kommen!‘, so Stefan Hofmeir, Sprecher der Aktion Münchner Fahrgäste.

Fahrgäste profitieren von neuer Tram 22 nach Steinhausen

Noch im Juli soll im Stadtrat das neue Leistungsprogramm der MVG ab Dezember 2017 beschlossen werden. Dieses enthält in einer aktualisierten Version nun auch eine nicht nur von der Aktion Münchner Fahrgäste lange geforderte Trambahn-Direktverbindung der im letzten Dezember neu eröffneten Steinhausen-Trambahn in die Innenstadt. Der im Januar verstorbene Gründer der Aktion Münchner Fahrgäste, Andreas Nagel, hatte sich hierfür regelmäßig auch in seiner Funktion als Mitglied des Bezirksausschusses 13 (Bogenhausen) eingesetzt.

Wenn die aktuell noch laufenden Prüfungen zur Finanzierbarkeit und Fahrzeugverfügbarkeit es zulassen, soll die bisher nur zwischen Hochschule München und Karlsplatz (Stachus) verkehrende Verstärkerlinie 22 über die Maximilianstraße und Max-Weber-Platz verlängert werden und von dort zum S-Bahnhof Berg am Laim fahren. Die Linie 25 aus Grünwald würde wieder am Max-Weber-Platz wenden.

„Die Fahrgäste aus Zamdorf/Steinhausen hätten damit eine Direktverbindung in die Innenstadt, in der Maximilianstraße gäbe es seit 1988 endlich wieder tagsüber durchgehend einen 5-Minuten-Takt“, so Stefan Hofmeir, Sprecher der Aktion Münchner Fahrgäste.

Die Relation Steinhausen – Dachauer Straße gab es als Trambahnlinie bereits bis 1980 mit der Linie 1 von Steinhausen (Vogelweideplatz) nach Moosach.

Kommende U-Bahn-Sanierungen langfristig ankündigen

Am kommenden Dienstag wird der Betrieb der U3 zwischen Münchner Freiheit und Scheidplatz nach fast einem halben Jahr Bauarbeiten wiederaufgenommen. Nach 45 Jahren wurden 7.500 t Schotter, ca. 3.300 Schwellen und ca. 9.000 m Fahrschienen erneuert. Für die Fahrgäste bedeutete die Totalsperrung zusätzliches Umsteigen, verlängerte Reisewege teilweise auf anderen Routen. Da die Bauarbeiten während der Wintermonate stattfanden, konnten die Fahrgäste nicht aufs Fahrrad ausweichen.

Die Aktion Münchner Fahrgäste fordert die MVG auf, künftige Großsanierungen (Totalsperrungen) bei U-Bahn und Trambahn länger im Voraus anzukündigen und auch besser zu koordinieren. Auch mit der Regierung von Oberbayern bei notwendigen Planfeststellungsverfahren. „Eine regelmäßig aktualisierte Liste zu Bauarbeiten der nächsten zwei bis drei Jahre wäre für Fahrgäste und auch Gewerbetreibende vor Ort sehr hilfreich“, so Stefan Hofmeir von der Aktion Münchner Fahrgäste.

Bereits mehrmals mussten und müssen Fahrgäste zwei Totalsperrungen hintereinander ertragen, die auf einmal hätten erledigt werden können (z. B. Linie 25 Harlaching: Umbau Kreuzung Ostfriedhof 2015, Umbau Großhesselohe 2016 sowie Stachus-Erneuerung 2016 und 2017). Obwohl die Trambahnschleife am Sendlinger Tor an ihrer Kapazitätsgrenze angelangt ist und Fahrgastverbände sowie Bezirksausschüsse schon lange ein zweites Wendegleis fordern, wird jetzt wieder nur der Ist-Zustand erneuert. Aufgrund der netzweiten Fahrgastzuwächse der letzten Jahre wäre auch hier eine vorausschauende Planung besser gewesen.